#25 | Revoluzzer!
Shownotes
Pünktlich zum Jahrestag der Novemberrevolution in Bayern haben sich Gerda und Petra für diese Folge mit Auf- und Widerständlern beschäftigt. Sie erzählen euch z.B. von einer strickenden Revoluzzerin, die sicherstellen wollte, dass die Demonstrierenden gegen die WAA in Wackersdorf keine kalten Füße bekommen. Oder von einem ganzen Rebellendorf in Unterfranken, dass sich partout nicht eingemeinden lassen wollte.
Außerdem gehen sie der Odyssee von Kurt Eisners verschwundener Schreibmaschine nach, mit der er die revolutionären Flugblätter getippt hat, die schließlich zum Ende der Monarchie in Bayern geführt haben. Was natürlich auch nicht fehlen darf, sind die Aufstände rund ums Bier. Wer, warum und wo auf die Barrikaden gegangen ist, erfahrt ihr in dieser Folge.
Ihr habt auch Kurioses über Bayern zu berichten? Dann meldet euch gerne unter bayern.kurios@mail.de oder über instagram.com/bayern.kurios/
Transkript anzeigen
00:00:06: Wo ist das?
00:00:08: Wie bitte heißt es?
00:00:09: Was hast du
00:00:09: gesagt?
00:00:24: Grüß euch.
00:00:25: Willkommen, eine neue Folge von Bayern Kurios startet!
00:00:30: Ich bin die Petra und mir gegenüber sitzt die Gerda.
00:00:34: Hallo Servus, liebe Petra.
00:00:37: Du der letzte Sommer, der hat ja wahnsinnig viele Hitze-Rekorde gebrochen.
00:00:42: Du fängst jetzt an mit ... Der letzte Sommer war sehr groß!
00:00:46: Nein ich wollte sagen das es wirklich heiß war und diese Hitze hat viele Gletscher zum Schmelzen gebracht und auch Felsstürze verursacht z.B.
00:00:55: an der Zugspitze.
00:00:56: Ja Und einschmelzender Gletsche in Österreich hat was freigegeben, was seit sechzig Jahren verschollen war.
00:01:06: Und zwar den Rucksack eines Bergsportlers der nineteenhundertdreiundsechzig da abgestürzt ist.
00:01:15: Dramatisch!
00:01:16: Er wurde aber gerettet.
00:01:18: also er war zum Glück angeseilt.
00:01:19: das ganze ist passiert in Österreich eben beim Sulz-Tal Ferner, den kennst du vielleicht?
00:01:27: Genau und die waren eben mehrere Männer unterwegs, Bergsportler eben.
00:01:33: Die waren angesahlt.
00:01:33: zum Glück der Mann ist in so eine Eisspalte gerutscht, die konnten ihn rausziehen.
00:01:39: aber er musste seinen Rucksack fallen lassen damit er sein Gewicht verringert, damit ihm die retten konnten.
00:01:44: Und dieser Rucksacks war jetzt sechzig Jahre lang verschollen und jetzt wurde er wieder freigegeben Und die Ermittler haben eben aufgrund von persönlichen Sachen, die im Rucksack drin waren rausgefunden.
00:01:57: Dass ein heute sechsohnachtzigjähriger Rentner aus dem Landkreis Regensburg der Besitzer war Und dessen Familie hat tatsächlich diesen Rucksack abgeholt in Österreich und jetzt sind die beiden wieder vereint.
00:02:09: Wow!
00:02:10: Also an der Stelle würde ich den Bergrettern dieses Rucksacks gern sagen, ich hab auch mal beim Bergsteigen mein Trinkflasche verhauen, die liegt bestimmt auch irgendwo im Abgrund ist blau unverboilt.
00:02:21: also
00:02:23: gerne wieder zurück an
00:02:24: mich.
00:02:26: Das ist ja schon fast was Heldenhaftes, wenn sowas nach so langer Zeit wieder zurückkommt.
00:02:34: Ja, also ein bisschen jetzt nicht über verschwollene Rucksäcke aber über Helden quasi im weitesten Sinne wollen wir ja auch heute sprechen.
00:02:42: Es geht nämlich um bayerische Revoluzzer und Revolutzerinnen.
00:02:47: Und wenn wir außerhalb Bayerns das so sagen würden dann wäre es wahrscheinlich gar nicht so besonders heldenhaft weil da wird der Begriff Revolution eher so etwas spöttisch und abwertend benutzt.
00:02:59: im Duden steht sogar drin, dass das Personen sind die sich in nicht ernstzunehmender Weise als revolutionär gebärden.
00:03:08: In Bayern hingegen da verwendet man das Wort tatsächlich eher sympathisch also schon fast anerkennend.
00:03:15: liebevoll eigentlich oder?
00:03:17: Ich finde es positiv bis
00:03:18: jetzt aber auch jemand der sie jetzt nichts quäuen lässt.
00:03:22: Und genau über die wollen wir heute sprechen.
00:03:25: Die, die den anderen die Stirn bieten, die Notfall sind also ein bisschen gegen Regeln verstoßen aber nur aus gutem Grund.
00:03:33: Ja und wo oder wie in Bayern wird denn... Aus welchem Grund wird denn in Bayern als erstes der Aufstand geprobt?
00:03:43: Ich habe dir was symbolisch mitgebracht.
00:03:46: Die Petra schiebt mir hier einen Bierkrug rüber.
00:03:49: Natürlich ist die bayerische Fahne vorne drauf, weiß blau ein Zinndecke der schön klappert
00:03:55: wenn man zu macht.
00:03:56: genau
00:03:57: und da lässt sich wahrscheinlich wunderbar Bier draus trinken.
00:04:01: Ja logisch, genau.
00:04:02: Das heißt wo gehen Bayern als erstes auf die Barrikaden?
00:04:06: Wenn es ums
00:04:06: Bier geht!
00:04:07: Wenn der Preis erhöht wird.
00:04:08: Ja logischer und wir haben ja schon mal darüber gesprochen.
00:04:11: im Jahr eighteenhundertvierundvierzig da gab's die Münchner Bierrevolution nämlich aus der König Ludwig I wegen Rohstoffknappheit den Bierpreis um ein Pfennig erhöhen wollte
00:04:25: der sich damals dabei gedacht.
00:04:27: Er hat damit Krawalli ausgelöst, in der Münchner Innenstadt sind so rund zwei Tausend Leute auf die Straße gegangen und der König hat tatsächlich eingelenkt wegen dieses Aufstandes und hat die Bierpreiserhöhung zurückgenommen.
00:04:44: War allerdings nicht die einzige Revolution im Bayern, die mit Bier zu tun hat?
00:04:49: Rund sechszig Jahre später gab es den sogenannten Bamberger Bierkrieg.
00:04:57: Wollten die Bamberger Brauereien den Bierpreis für einen Seidler, also in Franken gibt es jetzt nicht die Masse sondern eine Häube.
00:05:06: Also ein Seidlern wollten sie wiederum auch um einen Pfennig erhöhen von elf auf zwölf Pfennige.
00:05:13: Wenn wir anders dieses jährige Oktoberfest
00:05:15: denken
00:05:16: doch noch recht günstig genau.
00:05:19: und zwei Würte wollten sich diese Preiserhöhung dennoch gefallen lassen und sind in den Bierstreik getreten.
00:05:26: Und jetzt pass auf, anstatt das teure Bamberger Bier von besorgten Brauereien zu nehmen, boten sie kurzerhand das billigere Bier aus Vorheim an?
00:05:38: Oh nein!
00:05:40: Ja diesen Streik, dem mussten sich dann die Bamberger Brauerei beugen, die haben natürlich... die Preiserhöhung auch wieder zurückgenommen.
00:05:52: Aber nicht nur in der Vergangenheit finden wir Revolutionen, die mit Bier zu tun haben.
00:05:58: Auch in der jüngeren Vergangen- heit gibt es was und zwar die sogenannte Biergartenrevolution, Im Mai dieses Jahres gingen nämlich rund twenty-fünfund zwanzigtausend Menschen vom Münchner Marienplatz zum Odeonsplatz und haben demonstriert.
00:06:18: Und zwar für eine Öffnungszeit, für eine verlängerte Öffnung der Biergärten.
00:06:26: Wie kam es dazu?
00:06:28: Die Waldwirtschaft in Großhesselohe in Pullach, das ist in der Nähe von München die sollte wegen Lerms früher geschlossen werden.
00:06:38: Also schon um einundzwanzig oder dreißig hat es da nichts mehr gegeben, die Leute mussten heimgehen und außerdem sollte dieser Bürgarten auch nur noch jedes zweite Wochenende öffnen dürfen.
00:06:50: Ja das hätte allerdings aus für diese Waldwirtschaft bedeutet und das wollten sich Menschen aus München und Umgebung so nicht gefallen lassen.
00:07:00: Sie haben die Biergarten-Revolution inszeniert und haben damit versucht, die Bayerischen Biergärten und einfach gute Öffnungszeiten zu erreichen.
00:07:12: Und schon in den folgenden Wochen hat tatsächlich die Staatsregierung auf diese Revolution reagiert und sie haben nachgebessert, in der Biergartenverordnung.
00:07:21: Die Öffnungszeiten wurden deutlich verbessert, deutlich gelockert.
00:07:25: seit dem gilt um zwanzig Uhr muss die Musik aus sein.
00:07:29: Um zwanziger Dreißig ist Ausschank- und Speiseabgabe dann beendet und so um dreiundzwanzig uhr ist der Biergartenbetrieb dann beendedt und die Leute schon
00:07:41: öffentlich
00:07:42: auf dem Heimweg.
00:07:44: Aber wieso ist denn so ein bayerischer Biergarten so bedeutsam für die Menschen aus Bayern, dass sie dafür sogar auf die Straße gehen?
00:07:53: Das habe ich Ursula Seeböck-Forster gefragt.
00:07:58: Die war damals bei der Biergartenevolution ganz vorne mit dabei und zudem ist sie Präsidentin des Vereins zur Erhaltung der Bayerischen Biergartentradition eV.
00:08:11: Ein Biergarten trifft einfach das bayerische Lebensgefühl.
00:08:15: Das ist so, man geht dorthin
00:08:17: und kommt
00:08:18: mit ganz
00:08:18: vielen Leuten ins Gespräch weil man setzt sich natürlich in einem echten Traditionsbiergarten auch einfach neben Leute die man nicht kennt.
00:08:28: Man kommt mit allen in Verbindung und hat einen richtigen Spaß und eine Gaudi Und das ist das Wichtige schon mal Nummer eins.
00:08:39: Nummer zwei ist natürlich, dass so ein echter Traditionsbiergarten eine ganz wichtige soziale Funktion hat vor allem in der Stadt, in der Großstadt wo die Leute in relativ kleinen Wohnungen oft wohnen.
00:08:56: drei Zimmerwohnung für eine Familie vielleicht mit zwei Kindern.
00:09:01: Und da ist man so froh, wenn man im Sommer an schönen Abenden mal nicht zu Hause in der Wohnung essen muss oder auf dem kleinen Balkon.
00:09:10: Sondern wenn man rausgehen kann!
00:09:12: Man kann einfach mitten in der Stadt im Grünen sitzen und die frische Luft genießen
00:09:21: Und
00:09:21: man muss natürlich auch sagen,
00:09:23: es
00:09:23: kostet nicht so viel Geld.
00:09:25: Denn in einem bayerischen Traditionsbiergarten kann man sein Essen selber mitnehmen!
00:09:31: Ja Petra den Mann, den ich dir jetzt vorstelle, der hat zwar nicht selbst eine Revolution angezettelt aber er hat dabei geholfen die Überbleibsel eines friedlichen Aufstands zu beseitigen und dabei war er gar nicht simperlich.
00:09:45: Jetzt bin ich gespannt.
00:09:47: Es geht um den Winfried-Prem, der ist neunzehnhundertneunvierzig in Weidhaus in Oberpfalz geboren und hat später in Weiden eine Abbruchfirma gegründet.
00:09:57: Und mit dieser Abbruchtfirma hat er Teile der Berliner Mauer zu Staubzermahlen.
00:10:02: Wow!
00:10:04: Und auf einer seiner Baustellen hat er tatsächlich dem König Charles getroffen.
00:10:09: Der war damals natürlich noch der Prinz Charles?
00:10:11: Genau... Aber das sieht man schon, dass das wirklich ein ganz wichtiger Job war, den er da übernommen hatte.
00:10:17: Und das Foto der beiden hängt wohl immer noch in seinem Büro bei Muckelhof ... Bei beidem
00:10:24: würde ich mir auch aufhängen also wenn nicht dem damals prins Scheiß begegnet wäre.
00:10:29: Ja!
00:10:29: Das tragische an der Sache ist allerdings, dass er mit dem Auftrag wahnsinnig viel Geld verdient hat, das aber später auch wieder fast alles verloren hat.
00:10:41: Ja begonnen hat das ganze, das Geschäft mit der Mauer bereits,
00:10:47: die Mauer ja noch.
00:10:48: Damals hat sich der Winfried-Prem aufgemacht nach Berlin.
00:10:53: Er hat nämlich gehört dass der Kriegsverbrecher Rudolf Hess gestorben ist und er war der letzte Häftling im Kriegs Verbrecher Gefängnis Spandau.
00:11:02: Und da hat er sich gedacht naja jetzt brauchen wir das Gefängnissen nicht mehr, das kann man jetzt abbrechen.
00:11:06: Da biete ich doch meine Dienste an!
00:11:08: Der war immer schon sehr geschäftstüchtig.
00:11:11: Er ist dann in dieses zuständige Amt und die haben ihm natürlich das sofort verweigert.
00:11:16: Und ein Beamter hat ihn wohl nachgerufen, dass er Prem der kleine Bayer hier in Berlin niemals Fuß fassen wird.
00:11:24: Das hat dann seinen Kampfgeist geweckt!
00:11:27: Und er hat gesagt ich komme wieder zurück und zwar nicht alleine!
00:11:31: Wow, das ist ja filmreif diese Szene...
00:11:34: Also ich finde da sieht man schon, dass der Oberpälzer-Prem auch eigentlich ein kleiner Revolutzer ist.
00:11:41: Tatsächlich ist er zurückgekehrt aber nach Ostberlin und hat einen Termin gemacht beim Bauminister der DDR.
00:11:50: Er hatte nämlich auf dieser Transitstrecke von Westdeutschland nach Westberlin Und dann in die DDR gesehen das am Straßenrand ganz viele Steine lagen und er hat sich gedacht ach das könnte doch eine Auftrag sein klein, jetzt haben wir allen mit meiner Firma.
00:12:06: Und die haben dann zwei Stunden gesprochen und am Ende dieses Gesprächs hat er zu diesem Minister gemeint aber ein richtig guter Auftrag für mich wäre eigentlich die
00:12:17: Mauer, die Berliner
00:12:18: Mauer.
00:12:18: Und dann hat dieser Minister wohl zu ihm gesagt naja das werden wir beide nicht mehr erleben,
00:12:24: da war ja der Bremen sehr visionär.
00:12:26: Ja und dann hat er noch seine Visitenkarte rübergeschoben und gesagt na ja schau mal was kommt genau.
00:12:31: Und dann hat er tatsächlich drei Jahre später einen Anruf bekommen aus Ostberlin und hat sich Auftrag dazu bekommen, diese Mauer zu schreddern.
00:12:41: Also der Hundert, ja hundertefünfundsechzig Kilometer der Berliner Mauer.
00:12:44: Und
00:12:44: die haben sie sein Visitenkarte so
00:12:46: lange aufkommen?
00:12:46: Genau!
00:12:47: Und diesen Auftrag dazu hat eben noch diese DDR-Regierung gegeben weil die waren ja bis Herbst nineteenhundertneunzig im Amt bis zur Wiedervereinigung das heißt da war man genau an der richtigen Stelle.
00:12:58: Er hat dann ungefähr zweihunderttausend Tonnen Steine zermahlen und hat pro Tonne einundzwanzig Mark bekommen.
00:13:06: Also das ist schon mal eine ganze Summe plus noch einen Abbruch Honorar, der er zusätzlich noch ausgehandelt hat mit der Regierung.
00:13:13: Er ist
00:13:14: also wahnsinnig reich geworden mit dieser friedlichen Revolution!
00:13:18: Boah, eine schöne Geschichte.
00:13:20: Ich bin übrigens gerade froh dass er nicht alles zerschreddert hat.
00:13:23: ich war dieses Jahr in Trondheim in Norwegen und da steht ein Stück Berliner Mauer vor dem Kunstmuseum und das ist aber noch ganz also so'n großes Stück nicht von Bremen geschredet!
00:13:34: Also
00:13:34: wenn's ihm in die Finger gekommen wird dann scheint er es ganz sicher geschreddert.
00:13:39: Also jetzt hast du uns von einem besonderen Revolution erzählt und oft sind tatsächlich auch Männer Revolutionäre Dinge anstoßen.
00:13:51: Aber in Bayern sind es keineswegs nur Männer, die sich gegen die Obrigkeit stellen.
00:13:56: Wir haben ja jetzt auch schon von Ursula Siebel-Quaster gehört.
00:14:00: Es gab und gibt immer wieder in Bayern Frauen die Demonstrierende für die Sache eintreten und das Ganze oft gar nicht so ungefährlich ist.
00:14:13: haben erste bayerische Frauenrechtlerinnen in München zum Beispiel demonstriert und zwar fürs Frauenwahlrecht.
00:14:22: Wie soll es anders sein?
00:14:24: Allen voran Anita Augsburg und Linda Gustav Heimann, die sind auch in die Geschichte eingegangen mit dieser Demonstration.
00:14:32: Die sind damals mit achtzehn geschmückten Pferdekutschen durch München gefahren und an den Wagen haben sie Schilderkenkt mit der Forderung Frauenstimmrecht.
00:14:43: Das klingt jetzt fast schon wie so ein Oktoberfestumzug, aber so gemütlich war das nicht.
00:14:47: Weil das haben nämlich sehr viele als Provokation empfunden und somit war das Ganze auch gar nicht ungefährlich.
00:14:56: Es gab dann im Anschluss noch mehr revolutionäre Frauen, die sich für alles Mögliche eingesetzt haben.
00:15:03: Zum Beispiel die Sarah Sonja Lerch hat sich am Ende des Ersten Weltkriegs, das kam noch genug zum Essen da war in München eingesetzt für Frieden und Die Behörden haben richtig heftig reagiert.
00:15:19: Sie haben die Lehrkürzerhand wegen Verdachtsauflandesverrat ins Gefängnis gebracht.
00:15:27: Wer mich auf ganz besondere Weise beeindruckt hat, ist eine Frenkinn und zwar die Josefine Schmidt.
00:15:36: Die hat nämlich nineteenhundertfünfundvierzig den Frauen-Aufstand von Geroldshofen initiiert.
00:15:42: Hab ich noch nie davon gehört?
00:15:47: Da rückten im April schon die ersten amerikanischen Truppen an und standen kurz vor Geroldshofen.
00:15:56: Und die Lehrerin Josefine Schmidt wollte verhindern, dass die Stadt in den letzten Kriegstagen sinnlos zerstört
00:16:06: wird.
00:16:09: Sie hat sich aufgelähnt gegen die Nationalsozialisten.
00:16:12: Die nämlich wollten Gerold Zofen einfach nicht aufgeben und ihr war wichtig, dass sich alle kampflos den Amerikanern ergeben so das die Stadt erhalten bleiben kann.
00:16:26: Das war durchaus gefährlich und konnte auch mit dem Tod bestraft werden, wenn man sich da dagegen stellt.
00:16:31: Auf jeden Fall!
00:16:32: Und weil ich mich das sehr interessiert hat und ich das näher wissen wollte habe ich dazu mit Rainer Leng gesprochen.
00:16:39: der ist Professor für Geschichte an der Universität in Würzburg und er hat diesen Frauenaufstand von Geroldshofen im Rahmen einer Studie genauer beleuchtet.
00:16:50: Ich wollte von ihm Wissen, warum gerade diese Josefine Schmidt sich damals gegen die Nazis aufgelehnt
00:16:57: hat?
00:16:57: Naja, Josefini Schmidt hat wohl hier in diesem kritischen Moment eine Verantwortung verspürt.
00:17:05: Die nur sie wahrnehmen konnte.
00:17:07: also... ...die Männer waren zum Teil weg andere standen fest im Lager der Nationalsozialisten Also blieb ihm im Grunde genommen, bliebt nur die zweite Reihe um etwas zu tun.
00:17:18: und Josefina Schmidt war dank ihrer Stellung als Lehrerin eine, die nun wirklich jeden in Gerholtshofen von klein auf kannte.
00:17:27: Also das Beziehungsgeflecht Indie-Stadt hinein der Josefine Schmidt war vollständig.
00:17:34: wenn Josefina Schmidt dir auch ein Rufen und Autorität besaß hier etwas ausgab dann verbreitete sich das in Windeseile von Tür zu Tür.
00:17:44: Und tatsächlich war es wohl auch so an diesem sechsten April.
00:17:48: die Nachricht, dass Josefine Schmidt dazu aufrief, dass Frauen und Kinder sich auf dem Marktplatz versammeln sollen.
00:17:54: Und gegen die Verteidigung der Stadt protestieren wollen?
00:17:57: Das war wohl innerhalb von zwanzig Minuten durch den kompletten Ort durch.
00:18:02: Ja dann haben sich also hunderte Frauen, Kinder und auch ein paar Männer, also alte oder die vom Krieg verwundert waren und zurückgekehrt sind, haben sich versammelt die deutschen Soldaten nicht auf Frauen und Kinder schießen würden.
00:18:24: Allerdings gab es doch ein Schießbefehl.
00:18:28: Ich wollte von Professor Leng wissen, wie gefährlich denn dieser Aufstand der Frauen tatsächlich war?
00:18:35: Brandgefährlich!
00:18:37: In den letzten Kriegstagen wusste man von ganz, ganz vielen sogenannten Kriegsende verbrechen also Dessertöre, Leute, die die weiße Fahne Ein kurzer Moment zu früh hinaus hingen.
00:18:49: Es gab in sehr, sehr vielen fränkischen Orten Hinrichtungen Laternen voll mit Gehängten und dies wusste man.
00:19:00: Und es gab auch entsprechenden Befehle der Nationalsozialisten das Gnaden los per Standgericht.
00:19:06: alle die sich ergeben wollten hinzurichten sein.
00:19:10: also das war bekannt Und die Lage in Geroldshofen war noch einmal brandgefährlicher.
00:19:16: Denn Geroldenhofen war so, naja einen kleinen noch von den Amerikanern noch nicht besetzte Zone.
00:19:22: Also wie das Gallische Dorf, dass umsingelt von Römern war.
00:19:26: So waren die Amerikaner schon so mehr oder weniger rundum geroldshofen und das war gewissermaßen ein letzter Zuflucht der Nationalsozialisten.
00:19:35: dort sammelten sich also alle, die schon an anderen Ecken der Front am Zurück fluten waren.
00:19:42: Dauern fuhren irgendwelche kleinen Convoys mit Wehrmachtssoldaten durch und in der Stadt war auch noch eine SS-Einheit stationiert.
00:19:50: Und das war natürlich brandgefährlich, angeblich hatten die sogar einen Schießbefehl erhalten.
00:19:55: Würden die diesen Schieß Befehl auch umsetzen?
00:19:58: Dann hätte die Sache in einem Blutbad enden können.
00:20:01: Ja glücklicherweise verweigerten die Soldaten diesen Befeil beziehungsweise schossen sie einfach in die Luft.
00:20:09: Ich vermute, dass das dran lag.
00:20:12: Dass viele Josefine Schmidt als Lehrerin kannten und vielleicht hat sie es dann doch davon abgehalten.
00:20:17: Wenige Tage später war der Krieg auch in Geroldshofen vorbei.
00:20:21: Die US-Truppen haben den Ort erreicht und nicht zerstört.
00:20:25: was ich spannend fand, der Professor Leng hat betont dass Josefine Schmidt jetzt keine Widerstandskämpferin war.
00:20:31: Also sie hat sich nicht grundsätzlich gegen die Nazis aufgelehnt sondern sie war einfach pragmatisch und dachte wenn da Krieg jetzt zu Ende geht dann muss es ja für die Gerolshöfen irgendwie auch weitergehen und dann ist es am besten der Ort wird eben nicht zerstört.
00:20:47: und was sie durch den Aufstand geschafft hat.
00:20:50: sie hat den Ort Gerollshofen vor der Zerstörung gerettet.
00:20:55: Durch
00:20:55: Zivilcourage würde es
00:20:56: sein?
00:20:56: Ja genau, was für sie noch zu Ehren gemacht wurde ist in dem Ort Geroldshofen gibt's eine Straße die nach ihr benannt ist und im Jahr zwei Tausendundfünfzehn hat der Ort dann ein Theaterstück über ihre Geschichte aufgeführt mit dem Titel Fraulein Schmidt und der Aufstand der Frauen.
00:21:18: Du Petra Schama ich habe dir hier etwas mitgebracht.
00:21:21: Mensch Wollsockengerder!
00:21:24: Du weißt, dass ich immer Kultiviers hab.
00:21:26: Ja da sind wir auch
00:21:27: gleich
00:21:28: bei unserer nächsten Widerständlerin und zwar handelt es sich um die Irmgard Gitel.
00:21:34: Die hat nämlich Socken für den Widerstand gestrickt.
00:21:37: Auch Spanisch.
00:21:38: Ihr Motto war Wer demonstriert darf keine kalten Füße bekommen.
00:21:43: Sie
00:21:43: hört vollkommen recht!
00:21:46: Ja, und zwar hat sie demonstriert in Wackersdorf gegen die Wiederaufbereitungsanlage in den neunzehnhundertachziger Jahren.
00:21:55: Und sie ist bekannt geworden dafür dass sie so Sätze gesagt hat wie wir konnten nicht daheim bleiben auch wenn es uns da besser gegangen wäre denn es ging um die Zukunft unserer Kinder.
00:22:06: und sie hat auch noch gesagt die Demokratie gehört gepflegt.
00:22:10: Eine sehr
00:22:11: weite Frau, genau.
00:22:13: Die Frau Gietel ist in der Oberpfalz geboren und hat schon immer leidenschaftlich gestrickt.
00:22:21: Und irgendwann wurde eben das Stricken der Widerstandssocken zu ihrem Markenzeichen.
00:22:27: Vor allem hat sie die gestrickte für die Demonstrierenden im Tagsoldener Forst?
00:22:33: Weil die waren ja teilweise wochenlang und auch Winter wie Sommer.
00:22:37: Und gegen die Kälte hat sich gedacht, okay das ist jetzt mein Beitrag ich stricke Socken
00:22:43: um eben
00:22:44: Solidarität.
00:22:45: Wortwörtlichen und übertragenen Sinne, keine kalten Füße
00:22:48: zu bekommen.
00:22:48: Genau!
00:22:49: Sehr schön.
00:22:49: Und ein Regisseur der in nineteenhundertsechzig einen Dokumentarfilm über diese Vorgänge in Wackersdorf gedreht hat.
00:22:56: Der war sehr fasziniert von der Irmgard Gitel.
00:23:00: und er hat sich gefragt woher nimmt jemand den Mut sein bisheriges Leben zu verlassen?
00:23:05: Und eine Dekade lang dieses Leben dem Widerstand gegen die WHO zu widmen?
00:23:12: Und ich habe da auch so ein bisschen noch mal recherchiert und bin dann drauf gestoßen, das könnte vielleicht damit zu tun haben dass die ihrem Gott Gitel in der Oberpfalz sozialisiert wurde.
00:23:25: Da lachst
00:23:26: du!
00:23:26: Aber bereits
00:23:27: Mitte des Jahrhunderts gab es einen Volkskundler, den Franz Xaver von Schönwert und der hat damals schon Untersuchungen gemacht zu den Charakteren der Oberpfälzer.
00:23:40: Und er hat ihnen bescheinigt dass sie eine Mischung aus Bodenständigkeit misstrauen und stiller Resilienz sind oder das ihren Charakter bildet.
00:23:49: Für sie zu tun würden auch sagen, Sturköpf sind schon die Oberpfälzer.
00:23:53: Ich
00:23:53: würde es jetzt ein bisschen positiver formulieren!
00:23:56: Ja ich bin ja aus Niederbayern und ich kann das vielleicht nicht so beutragen.
00:23:59: Also ich spüre es auf jeden Fall.
00:24:01: Ich bin ja Oberpfälzerin.
00:24:03: Laut Schönwärts sind die Oberpfelzerinnen und Oberpfalzer Wortkark abwartend und misstrauisch gegenüber Neuerungen Und das hat natürlich dann auch was mit der Wiederaufbereitungsanlage zu tun.
00:24:14: Das war ja etwas Neues und Sie haben einfach dieser Technologie vertraut.
00:24:20: Sehr zum Missfallen des damaligen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß, der wollte unbedingt dass diese Anlage in den Oberpfalz gebaut wird und mit seinem Tod, neunzehnhundertneunundachtzig gaben die Betreiber und die Staatsregierung dann dieses umstrittene Projekt dann endlich auf.
00:24:39: Die Irmgard Gitel hat sich aber nicht zur Ruhe gesetzt.
00:24:42: sie hat weiter gekämpft, zum Beispiel hatte sie dann Kontakt mit japanischen Kernkraftgegnern.
00:24:49: Sie hat sich für Flüchtlinge im Kirchenassühl engagiert und hat mit den Mittwochs-Strickerinnen immer weiter für einen guten Zweck gestrickt.
00:24:57: Wow Respekt!
00:24:59: Und erst mit ihrem Tod, mit dreiundneunzig Jahren, hat sie die Stricknadeln für immer zur Seite gelegt.
00:25:06: Übrigens gab's während dieser VA-Zeit auch immer wieder große Festivals in Burklingenfeld um eben Unterstützer zu mobilisieren für diese Demonstrationen, die Anti-VIA-Festival.
00:25:19: Das hast du vielleicht schon mal gehört?
00:25:20: Ja, ja, da getragen auch immer große Bands.
00:25:22: Genau, und aus den Hundertsechsten war das größte Rockkonzert Deutschlands in ... Wo klängen fällt in der kleinen Oberpfalz?
00:25:32: Hundertzwanzigtausend Besucher kommen da zusammen und das sind Bands aufgetreten wie Heindling, Rio Reiser, Herbert Grünemeyer und Bab.
00:25:40: Und das letzte Konzert war neunzehntneunundachtzig.
00:25:44: Da war ich sechzehn Und da durfte ich auch hin.
00:25:47: Ich habe dir ein Foto
00:25:48: mitgebracht von mir!
00:25:51: Wir haben ja hier einen Podcast und kein Fernsehen, aber das müsstet ihr sehen, liebe Hörerinnen und Hörern.
00:25:58: Petra weißt was?
00:25:59: Wir posten.
00:25:59: Ich vote es einfach auf Social Media.
00:26:01: Das
00:26:01: ist eine super Idee.
00:26:03: Erzähl jetzt trotzdem schnell, was darauf zu sehen ist.
00:26:07: Die sind schon ein bisschen älter, die haben so ein bisschen Party nahe und auf den Bildern sieht man eine Zeltstadt auf einer schon recht ramponierten Wiese.
00:26:18: zwischen den Zelten immer wieder Bierkästen rumstehen Leute in Schlafsecken und auf dem einen Foto sieht man die junge Gerda Sie ist quasi kaum einen Tag geäutert.
00:26:31: Das ist sehr lieb von dir!
00:26:33: Ich finde, ich schaue da auch aus wie eine kleine Revolutionärin.
00:26:37: Unbedingt, unbedingt... Gerda, jetzt hast du von vielen Menschen gesprochen die sich aufgelehnt haben.
00:26:45: Ich habe dir auch viele Menschen mitgebracht und zwar ein ganzes Dorf – ein bayerisches Rebellendorf!
00:26:53: Das
00:26:53: bayerische gallische Dorf?
00:26:55: Ja genau es geht um Ermashausen.
00:26:58: das ist die kleinste Gemeinde in Unterfranken im Landkreis Hassberge und diese Gemeinde hat nur rund fünfhundertzwanzig Einwohnern.
00:27:07: Übrigens, so unbedeutend ist diese Gemeinde gar nicht.
00:27:10: Es gibt einen ganz berühmten Sohn dieser Gemeinde Louis Kissinger Vater des Friedensnobelpreisträgers und ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger.
00:27:24: Ja, im Zuge der Bayerischen Gebietsreform sollte diese Gemeinde, in deiner Selbstständigkeit verliehen und eben eingemeindet werden mit dem Nachbardorf Marolls Weissach.
00:27:41: Und die Ermas Häuser wollten das nicht!
00:27:46: Bei einer Bürgerbefragung haben sich fast hundert Prozent für die Eigenständigkeit ausgesprochen, also ganz genau siebenundneinzig Komma Sieben Prozent.
00:27:55: Die Eingemeindungen wurden aber leider trotzdem beschlossen.
00:28:00: Die Ärmerhäuser sind aber schon alle ein bisschen revolutionär.
00:28:06: Die weigerten sich einfach dieser Eingemindungfolge zu leisten.
00:28:12: Der Bürgermeister der Gemeinderat, die Bürgerinnen und Bürger haben beschlossen, die Gemeindeakten nicht herauszugeben.
00:28:22: Das Rathaus wurde verbarrikatiert – also die Schlüssellöcher sollten sogar mit Blei ausgegossen worden sein!
00:28:33: Und naja, das war natürlich eine nicht korrekte Weigerung.
00:28:37: am frühen Morgen des neunzehnten Mai.
00:28:43: Eskalierte der Streit und die Polizei riegelte Ehemarshausen ab und stürmte das Rathaus.
00:28:51: Ja, also tatsächlich.
00:28:55: Und laut historischen Berichten sollen dafür sogar tausend achthundert Polizeibeamte im Einsatz gewählt werden.
00:29:08: Die Akten wurden schließlich wirklich beschlagnahmt und wurden nach Maroll Zweisach gebracht.
00:29:15: Eigentlich wäre jetzt der Widerstand zu Ende gewesen, also gebrochen worden.
00:29:19: Aber so war es nicht!
00:29:21: Die Ehemarshäuser akzeptierten diese Eingemeindung jahrelang nicht.
00:29:26: Sie organisierten immer mal wieder Proteste, waren vor dem bayerischen Landtag,
00:29:32: machten
00:29:32: mit Transparenten auf sich aufmerksam eine alte Kirchenglocke, wurde sogar zur Freiheitsglocke erklärt.
00:29:41: und dieser lange Atem hat sich... ausbezahlt, nach mehr als fünfzehn Jahren Widerstand wurde tatsächlich Ermashausen am ersten Januar, nineteenhundertvier und neunzig wieder zu einer selbstständigen Gemeinde.
00:29:55: Wow!
00:29:57: Und heute wird dieser Ort sogar ganz offiziell gewürdigt Ort der Demokratie.
00:30:05: Das ist ein Projekt der bayerischen Landesregierung und die zeichnen Orte aus, die in besonderer Weise Demokratiegeschichte geschrieben haben.
00:30:17: Und es zeigt sich finde ich dass es sich lohnt für Mitbestimmung, für Bürgerrechte, für Zivilcourage auf die Straße zu gehen und sich dafür einzusetzen.
00:30:29: Also auf dieser Liste der besonderen Orte der Demokratie steht zum Beispiel übrigens Regensburg, mit dem wir immer wären Landtag.
00:30:38: Reichstag.
00:30:38: Erreichstag, Entschuldigung!
00:30:40: Und eben auf jener Liste steht auch Hermas Hausen.
00:30:44: und ja wenn Menschen behaulig dran bleiben kann man was bewegen.
00:30:50: Das stimmt du Pietram.
00:30:51: für Folge erscheinen ganz pünktlich zum Jahrestag der November-Revolution in Bayern Und Heuer jährt sich das Ganze zum hundertachten Mal.
00:31:01: Am achten November rief eben der Kurt Eisner die Republik Bayern aus und an dieser Stelle möchte ich ganz liebe Grüße an meinen Papa raus schicken, der nämlich heute seinen ninety- vierten Geburtstag vereint.
00:31:14: Herzlichen Glückwunsch!
00:31:15: Ja
00:31:16: er hat sich keinen besseren Tag für seine Geburt aussuchen können finde ich.
00:31:22: Na ja, also zurück zum Kurt Eisner.
00:31:24: Er war ihm Anführer dieser November-Revolution und wurde dann auch der erste Ministerpräsident Bayerns.
00:31:29: über den haben wir auch schon ein paar Mal hier gesprochen.
00:31:32: Er hat mit der Ausrufung des Freistaats Bayern gleichzeitig den König Ludwig III abgesetzt und die Monarchie für die Ende erklärt.
00:31:41: Aber eigentlich war der Kurt Eisner gar kein Bayer, er ist noch aus dem Jahr eighteenhundertzehn und sechzig in Berlin geboren.
00:31:47: Preis!
00:31:48: Ja, und kam nineteenhundertsieben zuerst nach Nürnberg und dann neunzehntundzehn nach München.
00:31:55: Und da ist er seiner Liebe hinterhergezogen.
00:31:58: zwar der Else Bellis die hat er geheiratet, die beiden haben ... viel zusammen gearbeitet.
00:32:07: Die Else Bellis hat auf einer Schreibmaschine, die jetzt dann noch ganz wichtig wird, seine Texte abgetippt und wie die Kinder der beiden später erzählt haben, haben die beiden auch die Texte teilweise auch zusammen erarbeitet.
00:32:23: Die eine Tochter war die Freia das war die Stieftochter vom Kurt Eisner.
00:32:32: Die Freia und die Ruth spielen jetzt noch mit dieser Schreibmaschine eine ganz wichtige Rolle.
00:32:38: Die Eise hat Kurt Eisner schon in Nürnberg bei der Zeitung kennengelernt, da war sie schon so eine Art Assistentin für ihn und irgendwann ist sie dann nach München gezogen und er dann hinterher.
00:32:49: Und die Töchte haben ihm erzählt, dass sie sich immer abends nach dem Abendessen ins Arbeitszimmer zurückgezogen haben und dann gemeinsam an diesen wichtigen Reden- und Flugblättern gearbeitet haben.
00:33:03: Die letzten Endes dann eben zu dieser Novemberrevolution und zu diesem Umsturz geführt haben.
00:33:08: Und um das tippen zu können, haben Sie sich nineteenhundert vierzehn eine Schreibmaschine gekauft.
00:33:14: Und zwar war der Hersteller Mercedes und es war das Modell Nummer drei
00:33:19: Und
00:33:20: diese Schreibmaschine galt dann aber nach dem Tod Eisneres jahrelang als verschollen.
00:33:27: Arbeitstell davor, vor zwanzig-fünfundzwanzig hat der Dr.
00:33:30: Timo Nüsslein vom Haus der bayerischen Geschichte eine Nachricht per E-Mail bekommen und zwar von der Ur-Enkelin von Kurt & Elsie
00:33:39: Eisner.".
00:33:41: Also ich zitiere mal diese unglaubliche E-mail die am vierzehnten November am Nachmittag hier angekommen ist Guten Tag, mein Name ist Susanne Rote.
00:33:47: Ich bin die Ur-Enkelin von Kurt Eisner.
00:33:52: Ich habe erfahren dass sie vielleicht interessiert sein könnten... ...die Schreibmaschine meines Urgroßvaters in ihrem Museum auszustellen.
00:33:58: Sie können mich diesbezüglich gern kontaktieren.
00:34:01: Habe ich natürlich sofort gemacht nachdem ich die Mail zweimal lesen musste kann sich vorstellen.
00:34:06: und dann kam diese spannende Geschichte heraus die wir gerade gesehen haben gehört haben
00:34:11: Ja, bevor der Dr.
00:34:12: Nüslein angefangen hat zu recherchieren eben zu diesem Weg der Schreibmaschine haben sie erst mal prüfen müssen ob das wirklich diese Schreib Maschine ist.
00:34:20: und es konnten sich gut machen weil diese Flugblätter und diese Schriftstücke waren ja erhalten also teilweise zumindest.
00:34:26: und dann konnten die ja ein guter Beauftragung der Schriftproben macht und hat dann gesagt ja es handelt sich tatsächlich um die Schreib-Maschine von Elze & Kurt Eisner.
00:34:35: und dann hat da Dr.
00:34:36: Neuslein begonnen diesen Weg zu rekonstruieren.
00:34:41: Nach Eisners Ermordung, am twenty- sechsten Februar, macht seine Witwe Else Eisner.
00:34:47: Beide haben neunzehnten und siebzehn geheiratet.
00:34:49: Und sein Mitstreiter Gustav Landauer, der würdiger Krummbacher in beides Schwaben, wo auch seine Familie lebt, da machen er Landauer und Else Eisen einen Wohnungstausch oder ein Haustausch, wo Elser Eisner mit ihren beiden Töchter nach Krummbach zieht und Landauer alleine ohne seine Familie nach München.
00:35:07: dort im Hause Eisners in Großhadern wird dann Landauer am ersten Mai, im Jahr und gegen Gewitt für fast ein ganzes Jahr wegbleibt aus München.
00:35:19: Er ist erst Anfang von dem Neunzehnten zurückkommt und feststellt, dass ihre Wohnung geplündert wurde.
00:35:28: Aber sie freut sich gleich sehr, weil es zu vieles weggekommen ist Kleidung, Mäntel oder so.
00:35:32: aber die Schreitmaschine geht lieber halten Und es ist erstaunlich.
00:35:36: Also sie beklagt da innen, dass Rotarmisten auch in ihr Bett geschlafen haben oder so wirklich gehaust haben sollen in dem Haus nach Landauers Ermordung im Mai.
00:35:45: Aber ja die Scheikmaschine hat keiner mitgenommen sodass sie die Anfang anfangs und zwanzig wieder vorgefunden hat und nun an sich nehmen konnte.
00:35:53: und Elsa Eisner hat dann München verlassen.
00:35:55: für immer Ist über die Bodensee Gegend teilweise auch in der Schweiz gewohnt wo ihre Familie herkommt war ist danach Gängenblach gezogen wo ihr Vater Josef Berlian Hauswissi gekauft hat.
00:36:06: Nun muss ich fortan, von neunzehntzwanzig bis neunzentdreiunddreißig wohnhaft war mit Schreibmaschine und ihren beiden Töftern?
00:36:13: Ja das alles klingt schon ziemlich spektakulär aber die ODC der Schreib Maschine geht weiter.
00:36:18: Die LSE Eisner musste neunzenhundertdreisig wieder fliehen Hat immer die Schreibenmaschine im Gepäck nimmt sich aber dann nineteenhundertvierzig in Frankreich des Leben.
00:36:28: Ihre beiden Töchter überstehen den Krieg.
00:36:31: Die Freia geht nach England und die Tochter Ruth, die lebt in Deutschland unerkannt unter falschem Namen weil sie natürlich mit dem Namen Eisner verfolgt worden wäre.
00:36:43: Ich komme in der DDR wieder zusammen.
00:36:47: Die Schreibmaschine haben Sie im Gepäck und wollen den ganzen Nachlass Ihres Vaters der DDR-Regierung übergeben.
00:36:54: Die nehmen den Nachlass auch an Aber die Schreibmaschine wollen Sie nicht
00:36:58: haben.
00:37:00: Aus irgendeinem Grund, okay?
00:37:01: Die Ruth nimmt die Schreibenmaschine wieder an sich und hat sie bei sich daheim stehen.
00:37:06: nach ihrem Tod bekommt Ruth Sohn Jürgen Strahl die Schreibtmaschine.
00:37:12: Und der war wohl ein hoher SID-Funktionär und auch ein Westspion.
00:37:16: Der wollte zeitlebensnicht das der Klassenfeind also noch nach dem Mauerfall fahrt jetzt noch der Klassenfind die Maschine bekommt Und deshalb mussten seine Kinder, die Susanne Rote und Christian Stahl dann abwarten bis der Papa gestorben war.
00:37:33: Dann haben sie die Schreibmaschine dem Haus der Bayerischen Geschichte.
00:37:36: Was für eine Geschichte!
00:37:38: Aber wie wichtig die Rolle von Else Eisner nicht nur im Leben von Kurt Eisner war sondern auch für die damalige Zeit das hat Dr.
00:37:45: Nüssle noch mal ganz schön zusammengefasst.
00:37:48: Also seine Frau oder später der Wettfels ist eine ganz wichtige Figur in seinem Leben.
00:37:53: Sie scheint eine Art, also nicht nur Lebensgefährtin zu sein.
00:37:57: Sondern auch vor allem eine geistige Verwandte oder ihm Geistesverband zu sein was auch seine politischen Ideen betrifft.
00:38:03: natürlich ist sie die Jüngere ist auch guckt deswegen mit dem begeisternden Blick oder den bewundernen Blick der jüngeren auf den älteren auf den der schon viel publiziert hat oder auch für das SPD-Organ vorwärts gearbeitet hat.
00:38:16: Sie selbst entstand auch eher einem SPD oder ehren im linken Milieu durch ihr Elternhaus.
00:38:23: Und ja, man sieht sie auch an den Fotos die wir eingangs gesehen haben.
00:38:27: Sie ist ja immer mit abgebildet.
00:38:28: also sie ist ja keine die daheim quasi die beiden Töchter umsorgt werden Eisner Revolution macht sondern sie ist mit dabei bei der Revolution.
00:38:34: Sie is nach seiner Mordung diejenige die sich um seinen Nachlass kümmert, die aber auch gleichzeitig immer hinter sein Werk zurücktritt.
00:38:40: Also all den Dingen die ich auch bei den Archivrecherchen gelesen habe ich hab nie eine Stelle gefunden wo es ihnen Gedanken eisen hat oder irgendeiner dieser politischen Gedanken die man da findet als den Eignen reklamiert hätte.
00:38:50: Sondern da tritt sie zurück und Betrachte sie selbst als Gefährtin, die mit ihm dieses Werk geleistet hat oder quasi jede Evolution herbeigeführt.
00:39:00: Also Sie war eine wichtige Stütze für den Kurt Eisner.
00:39:04: und auf die Frage wieso der Kurt Eisler überhaupt nach Bayern gegangen ist, hat er mal geantwortet dass die Leute hier viel freiheitlicher gesinnt wären weil ihnen die Preußische über Disziplin fehlt.
00:39:19: Spannende Einstellung!
00:39:22: Ja, wir haben halt so viel über Revolutioner und Revoluzerinnen gehört.
00:39:27: Und die sind ja oft laut und sehr präsent.
00:39:33: Dann gibt es aber auch noch Menschen in Bayern, die was im Stillen bewegen oder oft nicht so laut, dennoch ganz wichtig bewegen.
00:39:43: Darum dreht sich unsere Hörerfrage von diesem
00:39:46: Mal.
00:39:47: Genau!
00:39:47: Die kommt von der Manuela aus Neutraubling
00:39:50: Was wir Bayern ohne sein Ehrenamt?
00:39:52: Wir verleitzern eigentlich ehrenamtlich engagiert in
00:39:54: die Vereine und Verbände.
00:39:56: Ja, liebe Manuela!
00:39:58: Wir wollen dir diesmal die Frage nicht von unseren Mikrofonen aus beantworten sondern haben eine Spezialistin gefragt Die Gabi Schmidt ist Ehrenamtsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung.
00:40:12: Also was wir Bayern ohne sein Ehrendamm?
00:40:14: das beantworte ich zum Schluss weil es mir so wichtig ist wenn man so lange Gedanken macht Und man sagt, vierzig Prozent.
00:40:20: Ich bin aber sicher, dass weit mehr als vierzig prozent der Bayern sich engagieren weil die ja oft doppelt wo sich einbringen.
00:40:28: es geht schon an im Beirat vom Kindergarten dieses Engagement oder als Schülersprecherin Und meistens sind es mehrere Ehrenämter und wir haben ganz viele Sachen, die nicht gesehen werden.
00:40:41: Ich war heute bei Menschen unterwegs, die zählen dreimal oder viermal im Jahr Wasservögel.
00:40:47: Das machen sie teilweise seit fünfzig Jahren, helfen uns bei statistische Erfassungen und es sind viel mehr.
00:40:53: Ich bin gerade drüber zu beweisen das garantiert über die Hälfte der Bayerinnen und Bayern ehrenamtlich arbeiten!
00:41:00: Ja, was wäre Bayern ohne Ehrenamt?
00:41:02: Man kann das immer aufzählen.
00:41:04: Unser Däufer wird es dieses Leben nicht geben ... Weil wer macht denn die Kultur?
00:41:09: Wer kümmert sich den um alles?
00:41:11: Das sind die ehrenamtlichen.
00:41:13: Die Menschen, die da leben und ihr Leben selber gestalten.
00:41:17: Und natürlich westerist ohne Ehrendamt!
00:41:20: Aber die Menschen könnten das ja gar nicht ertragen.
00:41:22: Deshalb engagieren Sie sie ja in totalitäre Systeme.
00:41:26: Wird als erstes das Ehrenamt unterbunden.
00:41:29: Und das zeigt so ein Zeichen von Freiheit.
00:41:31: Ehrenamt und Ehrenampt braucht Vorbilder.
00:41:34: Ja, liebe Manuela!
00:41:36: Ich habe jetzt noch das wahrscheinlich kurioseste Ehrenabend in Bayern recherchiert.
00:41:43: Das sind die sogenannten Feldgeschworenen.
00:41:47: Die Wurzeln dieser Ehrenambdler reichen bis ins Späte Mittelalter zurück.
00:41:52: Feldgeschworne teilen sich einen Geheimnis des sogenannte Siebener-Geheimnisses.
00:41:58: die vergraben nämlich unter oder neben Grenzsteinen, also an Feldern und Wiesen- und Grundstücken besondere Zeichen aus Ton-, Glas-, Porzellan- oder Metall.
00:42:10: Und die kriegen eine bestimmte Anordnung was da genau dahinter steckt.
00:42:15: Das bleibt das Geheimnis der Feldgeschworenen.
00:42:18: aber so können sie immer feststellen ob ein Grenzstein unlauter zum Beispiel verschoben worden ist.
00:42:25: Und das finde ich ein wunderbares Ehrenamt, genau.
00:42:31: Die Nachangaben der Vermessungsverwaltung sind noch rund siebenundzwanzigtausend Feldgeschorene tätige in Bayern besonders viele in Franken und die bleiben es auch ihr Leben lang.
00:42:43: Die werden nämlich auf Lebenszeit gewählt und auch vereidigt.
00:42:47: Ja wenn ja auch eine Frage an uns habt dann schickt uns gerne eine E-Mail an bayern.choriosatmail.de
00:42:55: oder schreibt uns auf unseren Social Media Kanälen.
00:42:58: Ihr findet uns auch auf Facebook und auch auf Instagram.
00:43:01: Und Petra, wir zwei holen uns jetzt eine halbe Bier, setzen uns hin, stricken ein paar Socken und überlegen uns welche Revolution wir anzetteln könnten.
00:43:09: Unbedingt!
00:43:09: Da hätte ich schon ein paar Ideen.
00:43:11: Also Servus
00:43:12: für dich.
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